Entstehung

Der Anfang einer systematischen Sammlung und Beschreibung des Wortschatzes des Bündnerromanischen machte der Indogermanist Robert von Planta im Jahre 1889. Bereits 1885 hatte die Societad Retorumantscha die Idee eines «allgemeinen Rätoromanischen Idiotikons» formulierteng verbunden mit der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einsetzenden Renaschientscha retorumantscha, eine von Schriftstellern und Intellektuellen getragenen Bewegung, die dem Rückgang des Bündnerromanischen entgegenwirken sollte. 

Der Anfang ist gemacht

Mit der Gründung des Mundartwörterbuchs DRG und im Jahre 1904 verwirklichten die Societad Retorumantscha und Robert von Planta das gemeinsame Vorhaben: Aufnahme des Sprachgutes des Bündnerromanischen, Darstellung und Erklärung des gesamten Wortschatzes aller Dialekte der bedrohten Muttersprache. Zum ersten Redaktor gewählt wurde Florian Melcher. Für seine Tätigkeit richtete er im Dezember 1904 ein Büro in Chur ein, der erste Schritt auf dem Weg zu einem Institut dal Dicziunari Rumantsch Grischun.

Viele Fragen, viele Antworten

Gemeinsam mit seinem späteren Nachfolger Chasper Pult wandte sich Florian Melcher mit Hilfe von Fragebögen direkt an die Bevölkerung der romanischsprachigen Ortschaften. Das Questiunari Melcher/Pult umfasste rund 16’500 Einträge auf Deutsch, welche die Informanten mit den bündnerromanischen Entsprechungen versehen konnten. Auf diesem Weg kam eine riesige Menge an Sprachmaterial zurück: Wörter, Redewendungen, Sprüche, Anekdotisches – gesprochene Sprache als Grundlage für das DRG. Daneben beginnen die Redaktoren mit Auszügen aus allen Gattungen der ab 1560 gedruckten und ungedruckten Literatur.

Vom Zettel ins Wörterbuch

Das Material zu jedem Stichwort, um die von Robert von Planta begonnene Sammlung erweitert, wurde in der Cartoteca maistra geordnet. Sie umfasst an die zwei Millionen Zettel und wird laufend ergänzt – heute auch mittels korpusgestützter Onlinerecherche. Die Cartoteca maistra bildet bis dato die unverzichtbare Grundlage des Wörterbuchs: Aus ihr entnimmt die Redaktion die Belegstellen, um ein bestimmtes Wort in seinem mündlichen oder schriftlichen Kontext zu zeigen.

Das Wörterbuch nimmt Form an und wächst

1939 erschien der erste DRG-Faszikel. Damit wurde die Vision Wirklichkeit: Ein wissenschaftlich fundiertes Wörterbuch, das Vielfalt und Reichtum des Bündnerromanischen sichtbar macht. Das Werk umfasst mittlerweile 14 Bände von a bis mindramainta, Band 15 wird 2027 abgeschlossen. Bereits früh waren Rückwirkungen des DRG auf das Sprachleben und Selbstbewusstsein der bündnerromanischen Sprachgemeinschaft spürbar, etwa durch die Nutzung des Werks bei der Erstellung von regionalen Wörterbüchern und Grammatiken.